| Gefühlte Bildung - ein Medienereignis |
| Freitag, 23. Februar 2007 | |
|
Bildung in diesem Sinne verstanden gilt als Statussymbol in einer Gesellschaft, die sich gerne schmeichelnd "Informationsgesellschaft" nennen lässt. Denn derartige Kompendien zeigen ja, dass der Informationsfluss beherrschbar ist. Moment, mag jetzt Ihr Einwand sein, eben waren wir noch bei Bildung, jetzt plötzlich bei Information - das sind doch zwei ganz verschiedene Sachen. Ja, korrekt. Das wissen Sie. Und ich. Und wer noch? Die Medien? Nein, denn die leben geradezu von derartigen Vermischungen. Ein schönes Beispiel ist hierfür der momentane Boom an „Wissenssendungen“. Uiui, werden Sie jetzt wieder entgegnen, nun wird noch ein dritter Begriff gebracht: „Wissen“. Tadeln Sie nicht mich, sondern richten Sie den Blick auf die Zuschauer, die sich durch die Information einer Wissenssendung gebildeter fühlen. Man könnte dies, etwas flapsig, das Günther-Jauch-Phänomen nennen. Denn die Quizfragen sind – auch in den höheren Rängen – stets so angelegt, dass ein größerer Teil der Zuschauer die Antwort kennt. Gut, das gilt nicht mehr für die Fragen ab 125.000 Euro, aber in den seltenen Fällen, in denen überhaupt um derartige Beträge gespielt wird, kann sich der Mitratende mit dem Argument entschuldigen, dass bei diesen Summen ja Fragen auftauchen müssen, die er nicht einfach so beherrscht. Nein, das Glücksgefühl stellt sich früher ein: Die Lösung für einen größeren Teil der Fragen hat man, zumindest auf dem heimischen Sofa, immer zur Hand. Und man schaltet danach mit dem guten Gefühl ab, dass man eigentlich zum „klugen“ Teil der Bevölkerung gehört. In diesem Sinne also instrumentalisieren Medien den Bildungs-, den Wissens- oder den Informationsbegriff (was auch für das Zeitungsrätsel oder den Radio-Wettbewerb gilt), um ein „Wohlfühl“-Gefühl neben der „Wohlfühl“-Musik für den „Wohlfühl“-Rezipienten zu erzeugen. Das für sich genommen, wäre nicht gar so tragisch. Tragisch ist es, dass sich die betreffenden Konsumenten immer noch „gebildet“ dünken, wenn die Sendung schon lange vorbei ist. Und an dieser Stelle sollte man vielleicht auch einmal in den Schulen beginnen, ein Verständnis dafür zu wecken, worum es bei Entwicklung, Verstehen und Bildung eigentlich geht. Dann, ja, dann haben es derartige Sendungen und Medienangebote vielleicht schwerer, ein entsprechendes Gefühl herzustellen. Aber jener Zuschauer auf dem Sofa hat es vielleicht auch gar nicht mehr so nötig, diese Illusion zu erhalten … |