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Medienpädagogik an der Universität Ulm

MedienpädagogikHier finden Sie Informationen und Materialien zum Bereich Medienpädagogik, der vom Institut für Pädagogik (zusammen mit Veranstaltungen der Medienpsychologie ) für das Höhere Lehramt, die Informatik und die Medieninformatik angeboten wird. Für Fragen oder Anregungen stehen Ihnen diese  Kontaktdaten zur Verfügung.

Gefühlte Bildung - ein Medienereignis Drucken
Freitag, 23. Februar 2007

Der Schein trügt - manchmalDank der Wettervorhersage haben wir gelernt, dass es so was wie "gefühlte Temperaturen" gibt. Vielleicht ist es laut Thermometer draußen nur minus 2 Grad - uns kommt es aber vor wie sibirische Kälte. Ähnliches gilt zunehmend für eine bestimmte Art des Bildungsverständnisses in unserer Mediengesellschaft. Was Bildung ist oder doch zumindest sein kann, darüber haben nicht erst Humboldt und von Hentig längliche Abhandlungen geschrieben; und so mancher Pädagogik-Student wird sich in seinen Examensarbeiten mit einer Vielzahl von Definitionen herum geschlagen haben. Auf diese Diskussionen soll es uns hier nicht ankommen, sondern vielmehr auf jene Fragmente, die im Alltagsverständnis vorhanden sind. Und was könnte das katalogartige Verständnis, was viele Menschen über jenen Gegenstand haben, besser illustrieren, als jenes Buch, das vor einigen Jahren erschien: "Bildung" die Überschrift, "Alles was man wissen muss" der Untertitel. Schwanitz hatte hier zwar einen etwas dickeren, aber dennoch handlichen und verdaulichen Happen geliefert, der dankbar aufgenommen wurde. Es wurde einem gesagt, welche Bücher wichtig sind, welche Ereignisse, welche Wissensdisziplinen. Kompakt. Abgeschlossen. Mit schönem Einband für das Bücherregal.

 

Bildung in diesem Sinne verstanden gilt als Statussymbol in einer Gesellschaft, die sich gerne schmeichelnd "Informationsgesellschaft" nennen lässt. Denn derartige Kompendien zeigen ja, dass der Informationsfluss beherrschbar ist. Moment, mag jetzt Ihr Einwand sein, eben waren wir noch bei Bildung, jetzt plötzlich bei Information - das sind doch zwei ganz verschiedene Sachen. Ja, korrekt. Das wissen Sie. Und ich. Und wer noch? Die Medien? Nein, denn die leben geradezu von derartigen Vermischungen. Ein schönes Beispiel ist hierfür der momentane Boom an „Wissenssendungen“. Uiui, werden Sie jetzt wieder entgegnen, nun wird noch ein dritter Begriff gebracht: „Wissen“. Tadeln Sie nicht mich, sondern richten Sie den Blick auf die Zuschauer, die sich durch die Information einer Wissenssendung gebildeter fühlen. Man könnte dies, etwas flapsig, das Günther-Jauch-Phänomen nennen. Denn die Quizfragen sind – auch in den höheren Rängen – stets so angelegt, dass ein größerer Teil der Zuschauer die Antwort kennt. Gut, das gilt nicht mehr für die Fragen ab 125.000 Euro, aber in den seltenen Fällen, in denen überhaupt um derartige Beträge gespielt wird, kann sich der Mitratende mit dem Argument entschuldigen, dass bei diesen Summen  ja Fragen auftauchen müssen, die er nicht einfach so beherrscht. Nein, das Glücksgefühl stellt sich früher ein: Die Lösung für einen größeren Teil der Fragen hat man, zumindest auf dem heimischen Sofa, immer zur Hand. Und man schaltet danach mit dem guten Gefühl ab, dass man eigentlich zum „klugen“ Teil der Bevölkerung gehört.

In diesem Sinne also instrumentalisieren Medien den Bildungs-, den Wissens- oder den Informationsbegriff (was auch für das Zeitungsrätsel oder den Radio-Wettbewerb gilt), um ein „Wohlfühl“-Gefühl neben der „Wohlfühl“-Musik für den „Wohlfühl“-Rezipienten zu erzeugen. Das für sich genommen, wäre nicht gar so tragisch. Tragisch ist es, dass sich die betreffenden Konsumenten immer noch „gebildet“ dünken, wenn die Sendung schon lange vorbei ist. Und an dieser Stelle sollte man vielleicht auch einmal in den Schulen beginnen, ein Verständnis dafür zu wecken, worum es bei Entwicklung, Verstehen und Bildung eigentlich geht. Dann, ja, dann haben es derartige Sendungen und Medienangebote vielleicht schwerer, ein entsprechendes Gefühl herzustellen. Aber jener Zuschauer auf dem Sofa hat es vielleicht auch gar nicht mehr so nötig, diese Illusion zu erhalten …

 
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