Einige Studierende haben es schon bemerkt - andere wissen, daß etwas vor sich geht in unserer Fakultät - wieder andere bemerken eine leichte Klimaschwankung. Irgendwas tut sich. Man sieht in Vorlesungen Studierende, die vorher nie da waren und nun Zettel verteilen. Man bemerkt, daß Professoren gar nicht mehr so viel Zeit haben und nun von Sitzung zu Sitzung rennen, und ab und zu begegnet einem BCW, einen Stapel Akten unterm Arm und leichten Sorge-Falten (ja, jeder wird mal älter :-) ) auf der Stirn.
Was ist der Grund, der uns so viel Zeit raubt?
- Richtig - die wohl kommende Einführung des anglo-amerikanischen Systems Bachelor/Master of Science (BSc/MSc)!
"Aber halt!" wird der aufmerksame Leser und unsere Leserinnen jetzt rufen. "Warum brauchen wir denn ein neues Bildungssystem ?
Ist unseres nicht mehr gut genug ?
Und warum der ganze Aufwand, der damit betrieben wird ?"
Ja - ehrlicherweise war das auch unsere erste Reaktion auf das Thema.
Doch zuerst sollte geklärt werden, was denn dieser Bachelor und der Master eigentlich beinhaltet:
Der Bachelor kommt, wie schon erwähnt, aus dem anglo-amerikanischen Bereich und bildet einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluß. Die Studierenden sollen im Bachelor grundlegende Kenntnisse über das Studienfach erhalten. Dabei sollen sie einen vorgegebenen Studienplan über sechs Semester haben und durch begleitende Prüfungen auch an diese Zeit gebunden sein. Konkret soll bei diesem eher verschultem System auch die Einhaltung der Regelstudienzeit forciert werden. Damit ist der Bachelor bei uns irgendwas zwischen dem "Vordiplom" und dem "Diplom".
Der Master bildet nun einen drei-semestrigen Aufsatz auf den Bachelor, in dem die Studierenden vertiefende Kenntnisse in Ihrem Fachgebiet erhalten sollen. Außerdem soll ähnlich wie beim Diplom im letzten Semester eine Master-Arbeit geschrieben werden.
Damit soll also der Studierende die Möglichkeit haben, in neun Semestern den diplom-äquivalenten Master-Abschluß zu haben. Neu ist in diesem System, daß alle Prüfungen studienbegleitend stattfinden, man also eine Vorlesung mit einer schriftlichen und benoteten Prüfung abschließt. Aus allen diesen Einzelnoten ab dem Äquivalent zum Vordiplom (also nach vier Semestern) soll dann eine Endnote berechnet werden. Die (Vor-)Diplomprüfungen selbst entfallen.
Doch nun zurück zur Frage "Warum BSc/MSc ?". Hier müssen wir zeitlich etwas ausholen:
Ende letzten bis Mitte diesen Jahres arbeitete die Arbeitsgemeinschaft der Technischen Universitäten und Hochschulen an einem Konzept, um die Attraktivität des Bildungsstandortes Deutschland für ausländische Studierende zu steigern. Zu diesem Zweck sind mehrere Maßnahmen empfohlen worden; unter anderem auch die Einführung des BSc/MSc. Da mit diesem System auch die vorher schon erwähnte Einhaltung der Regelstudienzeit forciert werden soll und dies eine ideale Sparmöglichkeit verspricht, fand die Idee des BSC/MSC sehr schnell Gehör in der Politik.
Die "Möglichkeit zur Vergabe der Grade" BSc/MSc wurde somit im Entwurf des neuen Hochschulrahmengesetzes (HRG) verankert, das sich momentan im Abstimmungsprozess befindet. Mit diesem Gesetz sollen die Hochschulen die Möglichkeit haben, diese Grade zu vergeben und damit die Äquivalenz des Diploms zum Master zu stärken. Außerdem sollen damit auch deutsche Studierende die Möglichkeit haben, nach Erreichen des Bachelor-Grades im Ausland unkompliziert weiter studieren zu können, was sich momentan wegen den unterschiedlichen Bewertungsschemata als recht kompliziert erweist.
Zurück zu unserer Fakultät.
In den letzten Semesterferien fand zum Thema BSc/MSc eine Konferenz unserer Professoren statt, und Prof. Keedy erklärte sich bereit, eine BSc/MSc-Prüfungsordnung (BPO/MPO) aufzusetzen, an der seit Anfang dieses Semesters der Unterausschuß der Studienkommission zum BSc/MSc (besetzt mit vier Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und zwei Studenten), der sich annähernd wöchentlich trifft, weiter arbeitet.
Von der Fachschaftsseite her existiert der Arbeitskreis Bachelor/Master (ABM), der sich ebenfalls konstruktiv daran beteiligt (Treffen: Mo 17:30 im BECI!), z.B. mit der Euch sicherlich bekannten Umfrage zum BSc/MSc, deren Auswertung weiter unten angefügt ist.
Bevor wir zum aktuellen Diskussionsstand kommen, erst einmal ein kurzer Abriß über
Professor Keedy‘s Vorschlag:
Nach Auswertung der Umfrage war auch
unser Verhandlungsstandpunkt
klar:
Nachfolgend wollen wir einen kurzen Bericht über den (noch nicht endgültigen!)
aktuellen Diskussionsstand zum Bachelor-Studiengang:
Dennoch bestehen bei einer Einführung gerade des Bachelors immer noch Bedenken seitens der Fachschaft:
Gerade auf diese Fragen werden wir jedoch erst in einigen Jahren nach Einführung von BSc/MSc Antworten haben.
Mit (meinerseits leichtem) Schmunzeln wäre noch zu bemerken, daß die Hochschul-Rektoren-Konferenz (HRK) vorgeschlagen hat, daß sowohl Universitäten als auch Fachhochschulen den Master-Grad (für die Fachhochschulen ohne das lästige "FH") vergeben dürfen.
(Wer verdrängt also wen ?).
Mittlerweile wurde auch auf Bundesebene eine Kommission vom Fakultätentag Informatik eingerichtet, die sich mit der bundesweiten Vereinheitlichung von BSc/MSc-Prüfungsordnungen beschäftigt. Dort sitzt u.a. BCW drin und darf sich weiterer Termine erfreuen. :-)
To be continued ...
Mimü