Infobox ACM + Sponsoring by IBM

ACM

ACM steht für "The Association for Computing Maschinery", die älteste und größte Informatikervereinigung der Welt. Die 1947 gegründete Vereinigung zählt heute weltweit rund 80.000 Mitglieder. Ein Ziel der Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in New York ist es, junge Menschen für die Chancen der Informationstechnologie zu begeistern und Studentinnen und Studenten der entsprechenden Fachrichtungen zu unterstützen. Aus diesem Gedanken heraus entstand der ACM Programming Contest, auch 'Weltmeisterschaft der Programmierer' genannt. Die Teilnehmerschaft rekrutiert sich größtenteils aus Studenten der Fächer Mathematik und Informatik.

1970 als interner Wettbewerb der University of Texas gestartet, hat sich der ACM Contest inzwischen zu einer internationalen Veranstaltung entwickelt. Allein in diesem Jahr rechnet der ACM mit weltweit 3.000 Teilnehmern. Der seit 1977 einmal jährlich ausgerichtete Contest beginnt auf lokaler Ebene an den einzelnen Hochschulen. Das beste Team vertritt seine Universität auf einem der 23 Regionalwettbewerbe, von denen dieses Jahr zwölf in Amerika, fünf in Europa, drei in Asien, zwei in Australien und einer in Südamerika stattgefunden hat. Die 50 besten Teams werden zum traditionell in den USA veranstalteten Finale eingeladen. In diesem Jahr geht die Reise nach Atlanta.

Bei den 'Weltmeisterschaften der Progammierer' sind nicht nur exzellente Programmierfähigkeiten gefragt, sondern auch starke Nerven und Kreativität. Gilt es doch, in Teamwork und unter extremem Zeitdruck mit begrenzten Ressourcen insgesamt neun unterschiedlich schwere Programmieraufgaben zu lösen. Dem Siegerteam winken neben dem Weltpokal und 9.000 Dollar Preisgeld exzellente Karrierechancen in der Computerbranche.

IBM als weltweiter Sponsor

IBM ist erstmals Sponsor dieses renommierten Nachwuchswettbewerbes für Software-Entwickler. Unterstützt wird ACM mit Hardware, Software und Dienstleistungen. Die Partnerschaft zwischen ACM und IBM ist zunächst bis 2002 geplant. John Swainson, IBM General Manager, Application Development Solution erklärt: "Wir sind stolz darauf, Partner von ACM zu sein, und einen so renommierten Event zu fördern, der weltweit die besten jungen Informatik- und Technik-Studenten anzieht." Handlungsbedarf sieht Swainson vor allem im Hinblick auf den Rückgang qualifizierter Software-Entwickler. Nach einer Studie der Information Technology Association of America sind allein in den USA 190.000 Stellen in der IT-Industrie nicht besetzt. Swainson: "Als eines der größten Software-Unternehmen weltweit müssen wir unser Augenmerk auf diese vielversprechenden jungen Menschen richten, denn sie werden maßgeblich für die Zukunft der IT-Industrie verantwortlich sein."

Das Engagement scheint erfolgversprechend: Nicht wenige der 500 IBMer, die heute ACM Mitglieder sind, waren in der Vergangenheit Teilnehmer oder sogar Gewinner dieses Wettbewerbs.

ACM Southwestern European Regional Contest 1997

Ready, steady, go! - Auf den Weltmeisterschaften der Programmierer

Vom 22. bis zum 23. November fand an der Universität Ulm der 22. ACM Southwestern European Regional Contest statt. Mit dabei: 108 talentierte Nachwuchsprogrammierer aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Portugal, Frankreich und Marokko. Und zum ersten Mal: Ein Team der IDE (IBM Deutschland Entwicklung) aus Personal und S/390 Software Development, vertreten durch Werner Foerster (Personal), Dirk Langhorst, S/390 Software Development. Für uns live dabei: Bettina Nerbel, S/390 Software Development. Hier ihr Bericht:

Samstag, 22.11

Gegen 9.45 Uhr kommen wir in der Universitätsstadt Ulm an. Durch dichten Nebel bahnen wir uns den Weg vom menschenleeren Parkplatz zum Gebäude O27. So verlassen, wie es draußen aussieht, so emsig geht es im Innern des Gebäudes zu. Auf den Gängen herrscht rege Geschäftigkeit. Alles scheint in eine Richtung zu drängen. Wir schließen uns an. Kurze Zeit später machen wir das Ziel aus: Den Hörsaal 20. Im Saal geht es schon jetzt eng zu. Ein buntes Stimmgewirr schallt uns entgegen - 'Multikulti' ist angesagt: 36 Teams aus acht Ländern haben sich zum Contest angemeldet. Es gelingt mir nicht, aufgrund der Kleidung die Nationalitäten der Teilnehmer auszumachen. Vielleicht haben die Italiener die schickerern Pullis an, aber sonst ... - junge Programmierer in der besten Laune harren der Dinge, die da kommen.

Das Rahmenprogramm - Beat und Bytes

Mark Dettinger, Doktorand an der Uni Ulm und Kopf des diesjährigen Organisations-Teams, begrüßt die Teilnehmer. Applaus brandet auf, als er ankündigt, daß die gesamte Verpflegung an den beiden Wettbewerbstagen kostenlos ist und von IBM gesponsert wird. Professor Uwe Schöning, der Dekan der Fakultät, macht es kurz und wünscht den Teilnehmern 'Happy Computing' und einen fairen Wettbewerb. Informativen, aber auch unterhaltsamen Charakter hat das Rahmenprogramm - ein Mix aus Vorträgen und Demos rund ums Thema IT.

'Device Control via the Internet'

Mit einer eindrucksvollen Show im Web demonstriert Dr. Konrad Froitzheim 'Device Control via the Internet'. In diesem Fall die Kontrolle von Lokomotiven einer Modelleisenbahn: Eine Videokamera erfaßt die Lokomotive, digitalisiert das Bild und speist es dann ins Netz ein. Via Internet wird dann ein Befehl an die einzelne Lokomotive ausgegeben, zum Beispiel: "Lokomotive 2 wechsle auf Gleis 3 und fahre los." Mögliches Einsatzgebiet seiner Erfindung sind laut Froitzheim alle elektronischen Geräte: "Es braucht nur einen Chip, TCP/IP, einen Webserver, und schon kann man loslegen." Froitzheim gibt sich zuversichtlich: "Künftig kann man zum Beispiel seinen Videorekorder vom Büro aus programmieren oder einen elektronischen Babysitter mit Videoüberwachung einrichten." Folglich sieht Dr. Froitzheim die Zukunft des Internets auch in der Verbindung von Webcams und Mikrophonen - ein Allround-Kommunikationsmittel.

'Robotics'

Als Dr. Gerhard Krätzschmar ueber 'Real Robotics' spricht, kommt wie auf ein Stichwort sein Assistent Stefan Enderle mit dem Roboter Stanislav aufs Podium. Dr. Krätzschmar erklärt: "Diese Infrarotsektoren, das sind seine Augen und da, die Mikros, das sind seine Ohren...". Krätzschmar versteht es, sein Publikum fuer Roboter zu interessieren. Stanislav wirkt auf mich fast menschlich. Er fährt herum und weicht - durch die Infrarotsensoren gewarnt - Hindernissen aus. Mr. Robot orientiert sich durch eingesetzte sogenannte Maps, die er zu Handlungsmustern umsetzt. Eine tolle Demo! Denkbare Einsatzgebiete solcher Roboter, die heute noch dem Wert einer Luxuslimousine haben, sieht Krätzschmar bei Anwendungen in verseuchten Gebieten oder als Minensuchroboter. Auch Büroroboter, die den Workoholic mit Kaffee und Post versorgen, kann er sich vorstellen.

World Beat

Jan Borchers, Doktorand an der Uni Linz und auf Gastsemester in Ulm, bringt uns World Beat näher. Ihm und seinem Team gab das in Linz ansässige Technology Museum of the Future, Ars Electronica, den Auftrag, ein sogenanntes 'Knowledge Net' mit Musik und Computer im Museum darzustellen. Intuitives Lernen ohne belehren zu wollen oder die Besucher mit komplizierten Anleitungen abzuschrecken stand dabei im Mittelpunkt. Mir ist nach seinem Vortrag noch einiges unklar und ich bin gespannt auf seine Demo: Borchers verzichtet auf große technische Aufbauten wie Computer, Maus, Rechner oder komplexe Musikinstrumente. Ein Paar Infrarot-Trommelstöcke fungiert gleichzeitig als Maus und Instrument. Sie sind über einen Tracker, der die Signale auffängt, mit einem Computer verbunden, um die generierten MIDI Daten auf einen Macintosh Computer zu übertragen und in Töne umzuwandeln. Der Computer mappt die tatsächliche Bewegungen der Stöcke mit einem Hintergrundmusikstück und paßt Harmonie und Geschwindigkeit an. Borchers über seine Beobachtungen im Museum: "Alte Damen veranstalteten gekonnt eine Jam Session, Teenies erfüllten sich den Traum vom lässigen Rocker und hauten auf die 'virtuelle- Pauke'...". Auch in Ulm funkt es: Besonders Mutige nehmen die Stöcke nach Borchers Vortrag selbst zur Hand, wählen eines der möglichen Instrumente (Gitarre, Trompete, Schlagzeug und Xylophon), Musiktypen (von Blues über Salsa bis zu Walzer) und steuern mittels verschiedener Bewegungen der Stöcke und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ihre eigene Musik. Die umstehenden Zuhörer fangen an mitzuswingen und Borchers ist der Beweis gelungen, daß jeder, unabängig von seiner Begabung, mit Computern und Musik kreativ umgehen kann.

IBM Deutschland Entwicklung GmbH - Wir stellen uns vor

Jetzt kommt unser Part. Schnell zieht Dirk Langhorst die Studenten mit Facts rund um die IBM in seinen Bann. Von der Marsmission und Pathfinder, der mit einem IBM RS/6000 Rechner ausgestattet ist bis zum fortschrittlichen Babysitting in Poughkeepsie, bei dem Mitarbeiterkinder mittels einer Webkamera von den arbeitenden Eltern beobachtet werden ... kurz: Die Zukunft hat bei IBM schon begonnen - it's real robotics! Die Studenten sind beeindruckt. Langhorst setzt noch einen drauf und präsentiert High Tech created in Böblingen wie SmartCard und S/390. Und nicht nur das. Von der Hardware spannt er den Bogen hin zum Tätigkeitsfeld eines Programmierers in der IDE. Programmieren, so Langhorst, sei mehr als nur Design, Implementation und Test von Programmen: "Auch Produktplanung und -unterstützung sowie Marketing gehören dazu." Den Zuhörern wird deutlich, daß ein 'Programmierjob' bei IBM abwechslungsreich und vielseitig ist. 'Langeweile' kommt hier keine auf!

Ich schaue ins Auditorium. Viele der Studenten scheinen sich die Frage zu stellen: Wie komme ich eigentlich zu IBM? Die Antwort hat Werner Förster, Human Ressources. Bevor er in medias res geht, zeichnet Förster das Bild vom 'world class employer'. Global Teamwork und Respekt vor dem Einzelnen betont er ebenso wie die Bedeutung des Kundenservice für die IBM. Wer mit dabei sein will, dem wird von Anfang an viel geboten. "Das Sprungbrett für einen erfolgreichen Start bei IBM ist Training on the job," so Förster. Gleich zu Beginn seiner Karriere werde der neue Mitarbeiter in reale Projekte eingebunden. Im Vergleich zu speziell aufgesetzten 'Neueinsteigerkursen' sei dies ein großer Vorteil: "Da seid Ihr gleich mittendrin und erlebt Teamwork hautnah." IBM spezifische Programme fuer 'Professional Fitness, die dafür sorgen, daß das Wissen jedes Mitarbeiters und jeder Mitarbeiterin stets up to date ist, flankieren das Training.

Szenenwechsel - in einer kleinen Kaffeepause komme ich mit ein paar Teilnehmern ins Gespräch. Sebastian John von der TU Berlin erzählt mir, wieviel Spaß es ihm macht, Programme zu entwickeln. Was hat ihn zur Teilnahme am Contest motiviert? Sebastian: "Hier kann ich nicht nur das tun, worauf ich sowieso am meisten Bock habe, sondern mich gleichzeitig auch noch mit anderen 'Cracks' messen." Auch Kai von der Goethe Universität in Frankfurt teilt diese Meinung. Alle die hier seien, hätten sich schon durch besondere Kenntnisse hervor getan, meint er. Wer letztlich den Preis bekommt sei eben ein primus inter pares.

Zurück ins Auditorium. William Poucher, der Wettbewerbsdirektor des ACM, begrüßt uns. Er ist locker drauf und nennt die Vorteile, die auf die Sieger warten, gleich beim Namen:

"...a flight to Atlanta and four nights in one of the finest hotels in town, entertaining program, some money and -yeah - not to forget the contest...".

Matthias Ruhl, Chefjuror des ACM Teams in Ulm und vorletztes Jahr für die Uni Freiburg in den World Finals dabei, stellt das Wettbewerbsumfeld vor : Pro Team gibt es eine Sun Workstation, die sowohl mit C, C++ und Pascal programmiert werden kann. Zugriffe auf das System sind verboten. Ich spüre, die Spannung steigt, im Auditorium wird es zunehmend ruhiger. Sein Teamkollege Lutz stellt den Ablauf des Contests vor: "Unsere Juroren speisen eure Programme ein, die innerhalb einer Minute erfolgreich ausgeführt werden müssen. Über eure Mailbox werdet Ihr über den Status eures Programmes auf dem Laufenden gehalten."

Auch wir Außenstehenden können den aktuellen Status jederzeit per Internet abfragen. Außerdem lassen sich die Teams über eine Webkamera beim Lösen der Aufgaben verfolgen.

Sonntag, 23.11

Der Countdown läuft

Endlich ist es soweit! Der Countdown läuft. Im H20 wimmelt es von aufgeregt diskutierenden oder in sich gekehrten, konzentrierten 'Cracks'. Bevor es losgeht, klären die Studenten vom Organisationsteam - alle in roten, von IBM gesponsorten ACM-T-shirts - die letzten Unklarheiten. Auf jedem Platz im Computerraum liegt ein verschlossender Umschlag, der die insgesamt neun Aufgaben enthält. Das Couvert darf erst nach dem 'Startschuß' geöffnet werden. Im Saal ist es inzwischen mucksmäuschenstill geworden. Ruhl: "Wichtig ist, daß Ihr strukturiert an die Sache herangeht. Und bitte, keine Hektik! Was zählt ist das Ergebnis. Wie Ihr dahinkommt, ist Eure Sache."

Die Versammlung löst sich auf. Auf geht's!

So kurz vor dem Start erkundige ich mich nach dem Stimmungsbarometer. Das Team TU München II - zwei Mathematiker und eine Physiker - meint einstimmig: "Wir waren gestern abend ziemlich ruhig und relaxed, aber jetzt werden wir zunehmend nervös. Das ist schon alles unheimlich aufregend!" Ich komme auch mit der spanischen Gruppe ins Gespräch. Die beiden Coaches sind noch aufgeregter als ihre zwei Teams. Und die wollen sich ordentlich Konkurrenz machen. Team II hat sich gründlich vorbereitet, auch organisatorisch. Jeder macht das, was er am Besten kann: "Miguel hackt am schnellsten," meinen seine Teamkollegen einstimmig.

Auf die Plätze, fertig, los!

10.12 Uhr - Es geht los! Die Jury schaltet die Bildschirme frei und gibt den Startschuß. Am IBM Stand und in H20 versammeln sich die Übriggebliebenen - Betreuer, IBMer und Ulmer Helfer. Auf den Übetragungsbildschirmen bietet sich uns Zuschauern ein spannendes Szenario: Umschläge werden aufgerissen, Teams stecken die Köpfe zusammen, Einzelne kritzeln die ersten Formeln auf ihre Notziblöcke. Genau 13 Minuten und 48 Sekunden später präsentiert Team II der CTU Prag die erste Lösung. Der Jubel ist nur kurz: 'Presentation Error!'. Die Enttäuschung ist der am Bildschirm mitfiebernden Betreuerin anzusehen. Das Rennen um die erste richtige Loesung macht Team Valladolid II.

Die nächsten fünf Stunden sind ein Wechselbad der Gefühle. Hoffnung und Verzweiflung liegen dicht beieinander. Die meisten Teams versuchen sich zuerst an der Aufgabe 'Box of Bricks'. Für vieleTeams ein erstes Erfolgserlebnis: 'Accepted!'. Weiter geht' s mit 'Theres treasures everywhere'. Auch diese Hürde wird von 32 der 36 Teams locker genommen. Doch dann wird's happig. Immer mehr 'wrong answers' und diverse 'errors' tauchen in den Ergebnissen auf. Die Teams werden hektischer, ein Teil verrennt sich in irgendeiner Aufgabe. Den Betreuern geht es kaum besser. Sie laufen nervös zwischen H20, dem Kaffeespender und unserem Bildschirm hin und her. Mal höre ich ein 'Ecco!' (Na endlich!) von dem Coach aus Genua, mal ein 'Mon Dieu!' aus der französischen Ecke. Nur die spanischen Betreuer bleiben cool - Valladolid I liegt seit längerem in Führung!

'Pushing Boxes', von der Jury als zweitschwierigste Aufgabe eingeschätzt, scheint doch die härteste Nuß zu sein. Nur zwei Teams versuchen sie zu knacken - vergeblich. Doch auch 'MBone' hat es in sich. Nur dreimal, von TU München 1, Charles University Prague 2 und der Uni Bern wird sie gelöst.

Die meist verwendete Programmiersprache ist C, gefolgt von C++. Nur drei Teams verwenden Pascal.

Nach etwa dreieinhalb Stunden geht ein Raunen durch die Menge. Das Team Ulm 1 hat soeben im Abstand von zehn Minuten zwei Aufgaben gelöst und sich mit nun insgesamt sieben Lösungen scheinbar uneinholbar an die Spitze gesetzt. Die Verfolger sind Valladolid 2 und Charles University Prague 2 mit jeweils fünf Lösungen. Es bricht nun die letzte Stunde des Wettbewerbs an und die Übertragung der Ergebnisse wird eingestellt. So zieht sich die Spannung hin bis zur Siegerehrung nach dem Abendessen.

Auf der Zielgeraden - zwei Interviews

In der Zwischenzeit interviewe ich Bill Poucher. Er ist begeistert von der guten Atmosphäre und überzeugt, daß in Ulm 'Top Programmers' anwesend sind. Kurz vor Ende der Resultatübertragung hat das Ulmer Team die siebte Aufgabe gelöst und eingereicht. Das sei, laut Poucher, noch nie vorgekommen. Sechs von neun seien schon 'world class'. Euphorisch spricht Poucher sogar von den 'Olympic Games' der Programmierer. Für ihn ist Programmieren eine zutiefst menschliche Aufgabe. Schließlich gehe es dabei um 'real human qualities' wie Denken, Handeln, Argumentieren und Koordinieren. Und Koordination ist am heutigen Tag besonders gefragt, denn die Mannschaften haben zusammen nur ein Terminal, was bedeutet daß sich jedes Team über die Reihenfolge der zu lösenden Aufgaben einig werden muß. Außerdem ist präzises Time Management wichtig. Das sieht Poucher genauso. Sein Fazit: "Encourage them!" Die Quintessenz des heutigen Uni-Leben saehe dagegen anders aus. Er kritisiert den Mangel an Teamwork und die oft theorieüberladenen Lerninhalte.

Kurze Zeit später spreche ich mit 'Contest Veteran' Martin Gumhold. Gumhold war 1994 und 1995 im Ulmer Contest Team. Letztes Jahr war er als Coach für Ulm dabei. Auch Gumhold ist von der Idee des ACM Wettbewerbs angetan: "Die Professoren kennen Dich plötzlich mit Namen und für die Personalchefs ist klar, daß Du außer den guten Programmierkenntnissen auch Teamfähigkeit und gute Nerven hast. Das erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt beträchtlich." Auf meine Frage nach der besten Wettbewerbsvorbereitung meint Gumhold: "Da hilft nur viel üben und die Routine, die man im Laufe der Zeit bekommt. Systematisches Vorgehen und Arbeitsteilung im Team hat uns immer geholfen. Viel hängt aber auch von der Tagesform und der Streßbewältigung des Einzelnen ab."

Allein unter Männern

Wie sich wohl die einzigen beiden Frauen des Contest fühlen? Ich frage Carola Wenk von der TU Berlin. "Kein Problem. Es wäre aber schon toll, wenn noch mehr Frauen den Mut hätten mitzumachen." Und: "Ich werde hier ohne Vorbehalte akzeptiert, unser Team kennt sich auch schon lange. Wir müssen uns eben aufeinander verlassen können, da spielt das Geschlecht keine Rolle." Ihre männlichen Teamkollegen nicken grinsend ... Wie viele andere hatte auch das Berliner Team mehr oder weniger zufälig von seinem Informatikprofessor über den Wettbewerb erfahren und sich spontan zu einer Teilnahme entschlossen. "Da blieb nicht viel Zeit fuer die Vorbereitung, meint Carolas Teampartner Christoph.

Sieger und Verlierer

Nach über fünf Stunden ist der Contest zu Ende. Fotos von erschöpften, aber lachenden Gruppen werden geschossen, die ersten Fachdiskussionen zwischen Studenten entbrennen. Ein blonder Student aus Kaiserslautern kommt mir entgegen, die Anstrengungen der vergangenen Stunden stehen ihm ins Gesicht geschrieben: "Leider haben wir uns mittendrin in einer Aufgabe verbissen. Wir kamen einfach nicht mehr richtig weiter." Ein Franzose von der Ecole des Mines de Paris: "Die Aufgaben waren sehr anspruchsvoll. Wir haben fünf Stunden gearbeitet ohne die Augen vom Bildschirm zu nehmen. Gewonnen haben wir sicher nicht, aber es war super dabei zu sein!" Auch die Berner Studenten meinen: "Weit nach vorne sind wir wahrscheinlich nicht gekommen, aber dafür, daß wir uns ganz spontan angemeldet und nur einmal geübt haben, sind wir ziemlich zufrieden. Nächstes Jahr sind wir besser vorbereitet, ist ja logisch."

Nach einem kleinen Imbiss treten Mark Dettinger und Bill Poucher vor das versammelte Auditorium und rufen die Teams nach ihrer Plazierung auf. Jedes Team bekommt für ein paar Minuten die ungeteilte Aufmerksamkeit und den Applaus des gesamten Publikums. Blitzlichter flammen auf, Bill Poucher und Mark Dettinger drücken Hände, verteilen Preise, Urkunden und Sektflaschen. Insgesamt mußte die Jury 362 submissions auswerten, bevor der Sieger feststand.

Das Endergebnis

 TeamSolvedTotal Time
1Charles University Prague 2
8
23:09:04
2University of Ulm 1
7
17:21:42
3CTU Prague 1
7
18:32:34
4Università di Genova 1
6
12:23:43
5TU München 1
6
24:30:40
6University of Valladolid 2
5
07:40:57
7Universität Karlsruhe
5
07:49:54
8Charles University Prague 1
5
09:02:07
9Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 2
5
10:20:12
10TU Dresden
5
11:42:31

Großer Beifall und "Bravo" Rufe belohnen die beiden strahlenden Sieger. Team II der Charles Universitaet Prag und Team I der Uni Ulm werden naechstes Jahr beim ACM Finale in Atlanta dabei sein. Nachdem der offizielle Teil vorbei ist, knallen die ersten Sektkorken. Die Beleuchtung wird gedimmt, Rockmusik dröhnt aus den Boxen. Die Party kann beginnen.

IDE vor Ort - Ein Fazit

Auch für uns IBMer waren diese beiden Tage in Ulm ein voller Erfolg. Wir haben viele talentierte Nachwuchsprogrammierer kennengelernt. Positiv überrascht waren wir von der Begeisterungsfähigkeit der Studenten, die oft spontan von sich aus auf uns zugekommen sind. Nicht nur, um sich mit Info-Material einzudecken, sondern auch um konkrete Fragen stellen und mit uns zu diskutieren. Aus diesen Gesprächen haben sich viele Kontakte ergeben, darunter 20 konkrete Anfragen von deutschen Teilnehmern, die bei uns als Werkstudenten in der Software-Entwicklung mitarbeiten möchten. Auch auf internationaler Ebene war das Interesse groß. 30 Bewerbungen von Italienern, Spaniern, Portugiesen, Marokkanern und Tschechen um 'Internships' und von höheren Semestern um Hiring sprechen für sich. Die Bewerbungsunterlagen werden von Werner Förster an die Personalfunktion der jeweiligen Länder weitergereicht. Dort bekommen die Bewerber dann eine Einladung zum Interview. Für die vielversprechenden Kandidaten vielleicht ein Sprungbrett in die große IBM Welt ...

Mit unserem erfolgreichen Engagement in Ulm haben wir den Grundstein für weitere Aktivitäten gelegt. Für Kontinuität im Sponsoring sorgt die Verpflichtung der IBM, den ACM über vier weitere Jahre hinweg zu fördern.

Information im Internet:

http://www.informatik.uni-ulm.de/acm/