28. ACM Programmierweltmeisterschaft
Prag/Tschechische Republik, 2004.03.28-2004.04.01

Beim South-Western European Regional Contest in Paris im November 2003 belegten die Teams der Universität Ulm die Plätze eins und fünf. Damit haben wir uns für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Die Ulmer Delegation bestand aus

Jürgen Werner, Informatik Manfred Sauter, Mathematik
Adrian Kügel, Informatik Frank Raiser, Informatik
Robin Nittka, Mathematik Simon Gog, Informatik
Walter Guttmann, Informatik

2004.03.28

Zusätzlich zur frühen Abfahrtszeit bewirkte die Zeitumstellung eine erhebliche Verkürzung der Nacht vor der Anreise. Die lange Zugfahrt nach Prag verlief, anders als die spätere Rückreise, mit nur einem Zwischenfall: Zwischen Marienbad und Pilsen mußten wir in einen Bus umsteigen. Nach der Ankunft in Prag belegten wir unsere Zimmer in den Hotels und machten uns auf den Weg zur Registrierung. Erfreulicherweise sind alle Orte, an denen wir uns in den folgenden Tagen der Veranstaltung befanden, in der Altstadt von Prag und bequem zu Fuß erreichbar.

Vertreter des Veranstalters, nämlich der Association for Computing Machinery (ACM), heißen die Teams willkommen. Alle 73 qualifizierten Teams durften dieses Jahr in das Land einreisen und können an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Bei den üblichen Registrierungsformalitäten bekommen wir Namensschildchen und T-Shirts, die wir während des Wettbewerbs tragen müssen. Anschließend nehmen wir an einem Empfang mit Abendessen im gegenüberliegenden Hotel teil. Wie im vorhergehenden Jahr ist die Präsidentin von ACM, Maria Klawe, anwesend und setzt sich für die Veranstaltung ein.

Auch dieses Jahr ist der Sponsor wieder IBM. Jeden Tag abends ist das von IBM eingerichtete CyberCafe Treffpunkt für die Teilnehmer aus aller Welt, die dort neben einem Zugang zum Internet auch mehrere Stände von IBM finden, an denen sie sich über ihre Produkte und andere Angebote informieren können. Das überdimensionierte Schachspiel ist wieder sehr beliebt.

2004.03.29

Der heutige Tag wird zu einem großen Teil von IBM gestaltet. Bis in den frühen Nachmittag hinein bestimmt ihr TechTrek das Programm: In Vorträgen stellen bekannte Mitarbeiter des Unternehmens aktuelle Strategien und Forschungsprojekte vor. Erich Gamma, Co-Autor des bekannten Buchs über "Design Patterns", erlätert in seinem Vortrag die Entwicklung von Plugins für die Umgebung Eclipse und den zugrundeliegenden Prozeß. Gheorghe Almasi berichtet über die Fortschritte des Blue Gene Projekts, bei dem der weltweit leistungsfähigste Super-Computer gebaut werden soll. Paul Baffes macht Werbung für das Extreme-Blue-Praktikum, bei dem Studenten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam an einem Projekt bei IBM arbeiten. Anschließend können die Zuhörer auch kritische Fragen stellen.

Am Nachmittag findet eine organisierte Besichtigung der Prager Burg statt. Bei ausgezeichnetem Wetter erkunden wir das riesige Gelände, auf dem sich unter anderem der Sitz des Präsidenten der Republik, die St.-Veits-Kathedrale und Franz Kafkas ehemaliges Wohnhaus befinden.

2004.03.30

Nach dem Frühstück beginnt die Eröffnungszeremonie, bei der die Teams in den Ablauf des Wettbewerbs eingeführt werden. Der Einlauf der Teams in die Smetana-Halle des im Jugendstil errichteten Gemeindehauses "Obecni dum" wird durch das Prager Symphonieorchester begleitet. Bei dieser einmaligen Veranstaltung spielt das Orchester auch die europäische Premiere des Stückes "Celebration" des Komponisten Robert Greenleaf und eine von ihm eigens für den Wettbewerb komponierte Fanfare.

Sodann geht es zur Practice Session: Alle Teams dürfen die Computer, an denen am nächsten Tag der Wettbewerb stattfinden wird, ausprobieren. Erneut wird das uns bestens bekannte Linux für die Durchführung der Weltmeisterschaft verwendet. Fragen, die das System betreffen, müssen jetzt gestellt werden, sonst bleiben sie möglicherweise unbeantwortet.

Beim Business-Meeting von Upsilon-Pi-Epsilon (UPE), einer amerikanischen Ehrengesellschaft für Informatik, die den Programmierwettbewerb seit Anbeginn unterstützt, trifft man erfahrene Informatiker.

Die Java Challenge ist seit zwei Jahren ein Erfolg für IBM. Diesmal geht es um die Implementierung einer Strategie für Regenten einer mittelalterlichen Umgebung mit Burgen, Rittern und Bauern. Die Teilnehmer sind erneut begeistert; selbst Ersatzleute, Trainer und andere Begleitpersonen bilden Teams, so daß kein Rechner ungenutzt bleibt. Das direkte Antreten der Programme in einer phantasievollen Echtzeitumgebung gegeneinander hat seinen Reiz und bringt für IBM wieder einen vollen Erfolg. Das Turnier ist für den Abend vorgesehen.

Zwischenzeitlich erlaubt es die Practice Session 2 den Teams, sich zwangslos mit den Rechnern zu beschäftigen. Unser Team nutzt die Zeit, sich an die Tastatur zu gewöhnen.

Die Austragung des Turniers findet anschließend beim Abendessen statt. Von anfänglich 67 Teams qualifizieren wir uns für die Zwischenrunde mit 36 Teams und dann auch für die Endrunde mit 18 Teams. Letztendlich belegen wir den siebten Platz. Die automatische Bewertung der implementierten Strategien ist jedoch teilweise schlecht durchdacht, weshalb das Endergebnis unerwartet ist.

2004.03.31

28. ACM Programmierweltmeisterschaft. Diesmal 73 Teams, zehn Aufgaben, fünf Stunden Zeit. Nach einem hervorragenden Anfang bewertet unser Team den Schwierigkeitsgrad einiger Aufgaben falsch und kann letztendlich nur drei Probleme lösen. Die besten Teams haben mindestens sechs lösen können. Die Problemauswahl war dieses Jahr stark durch Geometrie und Simulation geprägt, während Algorithmen auf Graphen und dynamisches Programmieren nicht gefragt waren.

Wenige Stunden später folgt die Siegerehrung. Bis zur Verkündung des zweitplazierten bleibt es spannend, wer gewonnen hat. Tatsächlich hat das Team des St.-Petersburger "Institute of Fine Mechanics and Optics" sieben Aufgaben bewältigt und ist damit Weltmeister geworden. Das Team der Universität Ulm belegt bei seiner neunten Teilnahme an der Weltmeisterschaft den 27. Platz. Die Top-Ten setzt sich wie folgt zusammen:

RangTeamAufgabenAkkumulierte Zeit [min]
1St Petersburg Institute of Fine Mechanics and Optics71204
2KTH - Royal Institute of Technology61118
3Belarusian State University61157
4Perm State University61255
5Massachusetts Institute of Technology61312
6National Taiwan University5773
7California Institute of Technology5818
8Izhevsk State Technical University5930
9Harvard University5937
10Warsaw University5938

Weitere 63 Universitäten folgen. Erneut belegen europäische Teams die ersten vier Plätze. Bei der abschließenden Feier können sich die Teams sportlich betätigen.

Austragungsort nächstes Jahr ist Shanghai. Zum vierten Mal in ihrer Geschichte findet damit die Weltmeisterschaft außerhalb der USA statt. Natürlich müssen wir uns erst wieder qualifizieren: Beim nächsten South-Western European Regional Contest in Paris.

2004.04.01

Die Weltmeisterschaft ist an diesem Donnerstag offiziell zu Ende und die Teams verlassen die Wettbewerbs-Hotels.