Beim South-Western European Regional Contest in Porto, Portugal im November 2002 belegten die Teams der Universität Ulm die Plätze eins, drei und sieben. Damit haben wir uns für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Die Ulmer Delegation bestand aus
Jürgen Werner, Informatik Robin Nittka, Mathematik Adrian Kügel, Informatik Frank Raiser, Informatik Manfred Sauter, Mathematik Walter Guttmann, Informatik
Unser Weg nach Los Angeles führte über Frankfurt und, da unser Flug für 10 Uhr vormittags angesetzt war, mußte jeder von uns bereits vor 4 Uhr früh aufstehen um den ersten Bus zum ersten Zug nach Frankfurt an diesem Tag rechtzeitig zu erreichen. Die Flugreise gestaltete sich erfreulicherweise unproblematisch und wir erreichten das Holiday Inn Airport Hotel in Los Angeles um 14 Uhr lokaler Zeit bei angenehm warmer Umgebungstemperatur. Einige aus unserer Gruppe nutzten den angebrochenen Tag (bzw. für uns die angebrochene Nacht) für Erkundungen in Los Angeles und Umgebung, während sich die anderen erholten. Das Hotel liegt direkt neben der Anflugschneise des Flughafens, was uns erstaunliche Blicke auf ankommende Flugzeuge bescherte - der gelegentliche Lärm konnte nicht mit unserer Müdigkeit konkurrieren.
Vertreter des Veranstalters, nämlich der Association for Computing Machinery (ACM), heißen die Teams willkommen. Der Empfang bei der Registrierung zum Wettbewerb ist nett und sogar die Präsidentin von ACM, Maria Klawe, ist anwesend und wir können einen Satz mit ihr wechseln. Sie tritt an den folgenden Tagen oft und mit bemerkenswertem Einsatz für den Wettbewerb auf. Bei den üblichen Registrierungsformalitäten bekommen wir Namensschildchen und T-Shirts, die wir während des Wettbewerbs tragen müssen. Anschließend nehmen wir an einem Empfang mit Abendessen im obersten Stockwerk des Hotels mit Ausblick auf das nächtliche Los Angeles teil. Es ist mehr als zu bedauern, daß die zwei qualifizierten Teams aus Teheran, Iran, wegen Einreiseformalitäten zum wiederholten Mal nicht zu der Weltmeisterschaft erscheinen konnten.
Auch dieses Jahr ist der Sponsor wieder IBM. Jeden Tag abends ist das von IBM eingerichtete CyberCafe Treffpunkt für die Teilnehmer aus aller Welt, die dort neben einem Zugang zum Internet auch mehrere Stände von IBM finden, an denen sie sich über ihre Produkte und andere Angebote informieren können. Das überdimensionierte Schachspiel ist auch sehr beliebt.
Der Nachmittag bleibt frei und einige Teilnehmer nutzen die Zeit für einen Ausflug ins benachbarte Hollywood, wo im Kodak Theater zu genau dieser Zeit die diesjährige Verleihung der Academy Awards, also des Oscars, stattfindet. Allerdings ist dort der Aufmarsch an Sicherheitskräften bedingt durch die aktuelle politische Situation enorm und man gerät eher unverhofft in eine Demonstration (deren Motive man nicht kennt) als Filmstars zu sehen.
Am Abend findet auch bei uns im Hotel eine Oscar-Party statt, bei der die Verleihung live übertragen wird. IBM präsentiert im CyberCafe ihre Entwicklungsumgebung Eclipse und ihre Produkte alphaWorks und developerWorks.
Sodann geht es zur Practice Session: Alle Teams dürfen die Computer, an denen am nächsten Tag der Wettbewerb stattfinden wird, ausprobieren. Eine kritische Begutachtung der Entwicklungsumgebung ist zumindest für uns nicht mehr erforderlich: Zur Freude vieler Teilnehmer wird dieses Jahr zum ersten Mal das auch uns bestens bekannte Linux für die Durchführung der Weltmeisterschaft verwendet. Fragen, die das System betreffen, müssen jetzt gestellt werden, sonst bleiben sie möglicherweise unbeantwortet. Alles scheint zu funktionieren.
Beim Business-Meeting von Upsilon-Pi-Epsilon (UPE), einer amerikanischen Ehrengesellschaft für Informatik, die den Programmierwettbewerb seit Anbeginn unterstützt, trifft man erfahrene Informatiker.
Der VisualAge for Java Challenge ist seit dem vorigen Jahr ein Erfolg für IBM. Diesmal geht es um die Programmierung von virtuellen Autos, die in einer Simulation eines Autorennens teilnehmen sollen. Die Teilnehmer sind wieder außerordentlich begeistert; selbst Ersatzleute, Trainer und andere Begleitpersonen bilden Teams, so daß kein Rechner ungenutzt bleibt. Das direkte Antreten der Programme in einer phantasievollen Echtzeitumgebung gegeneinander hat seinen Reiz und bringt für IBM wieder einen vollen Erfolg. Das Turnier ist für den Abend vorgesehen.
Zwischenzeitlich erlaubt es die Open Practice Session den Teams, sich zwangslos mit den Rechnern zu beschäftigen. Unser Team nutzt die Zeit, sich an die Tastatur zu gewöhnen und einige weitere Aufgaben zu lösen.
Die Austragung des Turniers findet anschließend beim Abendessen statt. Von anfänglich über 60 Teams qualifizieren wir uns für die Zwischenrunde mit 36 Teams und dann auch für die Endrunde mit 18 Teams. Letztendlich belegen wir Platz 16. IBM fördert Java hauptsächlich, weil die Konkurrenz Microsoft es aus seinen Produkten verbannt hat und das eigene C# durchsetzen möchte.
Wenige Stunden später folgt die Siegerehrung. Bis zur Verkündung des zweitplazierten bleibt es spannend, wer gewonnen hat. Tatsächlich hat das Team der Universität Warschau neun Aufgaben bewältigt und ist damit Weltmeister geworden. Das Team der Universität Ulm belegt, dank der geringen Anzahl von Fehlversuchen, den 10. Platz und ist damit zum dritten Mal in den vergangenen acht Jahren der Teilnahme an der Weltmeisterschaft in der Top-Ten, die sich wie folgt zusammensetzt:
| Rang | Team | Aufgaben | Akkumulierte Zeit [min] |
| 1 | Warsaw University | 9 | 1517 |
| 2 | Moscow State University | 8 | 1338 |
| 3 | St Petersburg Institute of Fine Mechanics and Optics | 7 | 1195 |
| 4 | Comenius University | 7 | 1196 |
| 5 | Tsinghua University | 7 | 1272 |
| 6 | Shanghai JiaoTong University | 7 | 1280 |
| 7 | Saratov State University | 7 | 1312 |
| 8 | Zhongshan University | 6 | 895 |
| 9 | Taras Schevchenko Kiev National University | 6 | 944 |
| 10 | University of Ulm | 6 | 985 |
Weitere 58 Universitäten folgen. Bemerkenswert ist, daß sich die Top Ten aus sieben europäischen und drei asiatischen Universitäten zusammensetzt. Nordamerikanische Universitäten wie CalTech, Berkeley, Carnegie Mellon, Harvard und UCSD sind abgeschlagen oder haben sich, wie MIT, gar nicht erst qualifiziert.
Die abschließende Feier findet bei Jillian's im Universal City Walk statt, wo man u.a. seine Bowlingkenntnisse vertiefen und elektronisches Spielzeug ausprobieren kann. Eine Abschlußfeier in ähnlichem Rahmen gab es bereits nach der Weltmeisterschaft 2001 in Vancouver.
Austragungsort nächstes Jahr ist Prag. Zum dritten Mal in ihrer Geschichte findet damit die Weltmeisterschaft außerhalb der USA und zum zweiten Mal in ihrer Geschichte, nach 1999 in Eindhoven, in Europa statt. Natürlich müssen wir uns erst wieder qualifizieren: Beim nächsten South-Western European Regional Contest in Paris.