Beim Mid-Central European Regional Contest in Freiburg im November 2001 belegte ein Team der Universität Ulm den zweiten Platz. Damit haben wir uns für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Die Ulmer Delegation bestand aus
Axel Gandy, Wirtschaftsmathematik Jürgen Werner, Informatik Alexander Neubeck, Informatik Marc Meister, Mathematik Axel Blumenstock, Informatik Walter Guttmann, Informatik
Je ein halber Tag ist dafür reserviert, das Training der vergangenen Monate durch einige letzte Aufgaben und Diskussionen darüber abzurunden, während wir es uns in der übrigen Zeit natürlich nicht versagen können, den Traumspot Hawai'i in Ruhe erkunden. Dank des für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlich guten öffentlichen Nahverkehrs auf Oahu ist es dabei nicht schwierig, einmal an die Nordküste oder zum legendären Hanauma Bay vorzudringen.
Auch dieses Jahr ist der Sponsor wieder IBM, die für weitere fünf Jahre die Unterstützung zugesagt haben. Vertreter des Veranstalters, nämlich der Association for Computing Machinery (ACM), heißen die Teams willkommen. Bei den üblichen Registrierungsformalitäten bekommen wir Namensschildchen und T-Shirts, die wir während des Wettbewerbs tragen müssen. Aufmerksamerweise drückt man uns neben anderen Utensilien auch Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 in die Hand, das wir jedoch als unzulänglich erachtet beiseite legen - wir haben uns zuvor schon Lichtschutzfaktor 45 besorgt.
Genügend Anregungen also für Diskussionen, die man im Foyer noch fortführen kann. Dort haben sich an vielen Ständen Mitarbeiter von verschiedenen Forschungsstandorten postiert, um aktuelle Produkte und Ideen zu präsentieren und mit uns, den Teilnehmern, ins Gespräch zu kommen. Freilich nicht ohne Hintergedanken: Für die Teilnehmer ist IBM ein potentieller Arbeitgeber - für IBM sind die Teilnehmer potentielle Arbeitnehmer. Allerdings bleibt die Veranstaltung spürbar zurückhaltender als etwa im Jahr zuvor.
Der VisualAge for Java Challenge ist in den vergangenen Jahren IBMs Vorab-Wettbewerb "just for fun" gewesen - die schlechten Erfahrungen damit (etwa die unklaren Bewertungskriterien) bewogen IBM nun offenbar, sich umzuorientieren. Diesmal geht es um die Programmierung von virtuellen Robotern, die in einer Simulation ein Turnier austragen sollen - womit sich die Bewertung von selbst ergibt. Die Teilnehmer sind außerordentlich begeistert; selbst Ersatzleute, Trainer und andere Begleitpersonen bilden Teams, so dass kein Rechner ungenutzt bleibt. Das direkte Antreten der Programme in einer phantasievollen Echtzeitumgebung gegeneinander hat seinen Reiz und bringt somit für IBM einen vollen Erfolg.
Die Austragung des Turniers ist für den Abend vorgesehen, so dass nach der Programmierphase noch Zeit für eine Exkursion bleibt. Von mehreren gebotenen Möglichkeiten entscheiden wir uns für den Walfang, nein, für Walschau. Mit einem Boot geht es etwa zwei Stunden lang auf und ab vor Waikiki Beach und Honolulus Skyline. Doch leider bleiben die Wale heute aus.
Beim Abendessen beginnt endlich das mit Spannung erwartete Spiel der Software-Roboter, das sich über mehrere Runden erstreckt. Das Programm unseres Teams erreicht immerhin die vorletzte Runde. Dort belegen wir sogar Platz sieben und verpassen damit das Finale der letzten sechs knapp. IBM fördert Java hauptsächlich, weil die Konkurrenz Microsoft es aus seinen Produkten verbannt hat und das eigene C# durchsetzen möchte.
Sodann geht es zur Practice Session: Alle Teams dürfen die Computer, an denen am nächsten Tag der Wettbewerb stattfinden wird, ausprobieren. Die Entwicklungsumgebung wird begutachtet und kritisch getestet. Fragen, die das System betreffen, müssen jetzt gestellt werden, sonst bleiben sie möglicherweise unbeantwortet. Fast alles scheint zu funktionieren.
Die Open Practice Session erlaubt es den Teams, sich im Anschluss zwangslos mit den Rechnern zu beschäftigen. Unser Team nutzt die Zeit, sich an die Tastatur zu gewöhnen und einige weitere Aufgaben zu lösen. Manche Teilnehmer scheinen noch nicht ganz begriffen zu haben, dass es weniger darauf ankommt, schnell zu tippen, als darauf, korrekte Programme zu tippen. Den Abend beschließt ein von einem Hotel veranstaltetes Feuerwerk.
Wenige Stunden später folgt die Siegerehrung. Tatsächlich hat kein Team sieben Aufgaben bewältigt. Das Team der Shanghai JiaoTong University ist mit sechs gelösten Aufgaben Weltmeister. Das Team der Universität Ulm belegt den 18. Platz, liegt damit im oberen Drittel und knüpft an sein Ergebnis von 1999 an. Die Top Ten der Rangliste:
| Rang | Team | Aufgaben | Akkumulierte Zeit [min] |
| 1 | Shanghai JiaoTong University | 6 | 831 |
| 2 | Massachusetts Institute of Technology | 6 | 972 |
| 3 | University of Waterloo | 6 | 974 |
| 4 | Tsinghua University | 6 | 1186 |
| 5 | Stanford University | 6 | 1264 |
| 6 | Saratov State University | 5 | 532 |
| 7 | Fudan University | 5 | 678 |
| 8 | Duke University | 5 | 808 |
| 9 | Moscow State University | 5 | 856 |
| 10 | Universidad de Buenos Aires | 5 | 894 |
Weitere 54 Universitäten folgen. MIT kann halt nicht jedes Jahr hinter Ulm liegen, dafür hat sich Harvard z.B. gar nicht qualifiziert.
Die abschließende Feier wurde als traditionelles Lu'au Fest durchgeführt, bei der mit Feuer hantierende Tänzer auftreten und einheimische Speisen, wie z.B. Poi, das aus der hawai'ianischen Taro-Pflanze gemacht wird, und Kalua Pork serviert werden. Doch der Abend ist noch lange nicht zu Ende. IBM hat noch eigens eine Band engagiert, die bis nach Mitternacht für ausgelassene Stimmung sorgt. An der aufkommenden Wehmut wird uns klar, dass sich trotz aller Konkurrenz im Wettbewerb zu manchen unserer Mitteilnehmer freundschaftliche Bande gebildet haben.
Austragungsort nächstes Jahr ist Beverly Hills bei Los Angeles in Kalifornien. Natürlich müssen wir uns erst wieder qualifizieren. Der Veranstalter kündigt die Verwendung von Linux statt des Microsoft-eigenen Betriebssystems bei den kommenden Finals an - auch ein Teil von IBMs Strategie.