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Der ACM Contest ACM steht für " The Association for Computing Maschinery ", die älteste und größte Informatikervereinigung der Welt. Die 1947 gegründete Vereinigung zählt heute weltweit rund 80.000 Mitglieder. Ein Ziel der Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in New York ist es, junge Menschen für die Chancen der Informationstechnologie zu begeistern und Studentinnen und Studenten der entsprechenden Fachrichtungen zu unterstützen. Aus diesem Gedanken heraus entstand der ACM Programming Contest, auch 'Weltmeisterschaft der Programmierer' genannt. Die Teilnehmerschaft rekrutiert sich größtenteils aus Studenten der Fächer Mathematik und Informatik. 1970 als interner Wettbewerb der University of Texas gestartet, hat sich der ACM Contest inzwischen zu einer weltweiten Veranstaltung entwickelt. Der seit 1977 einmal jährlich ausgerichtete Contest beginnt auf lokaler Ebene an den einzelnen Hochschulen. Das beste Team vertritt seine Universität auf einem der 23 Regionalwettbewerbe, von denen dieses Jahr zwölf in Amerika, fünf in Europa, drei in Asien, zwei in Australien und einer in Südamerika stattgefunden hat. Die 50 besten Teams werden zum traditionell in den USA veranstalteten Finale eingeladen. In diesem Jahr ging die Reise nach Atlanta. Bei den 'Weltmeisterschaften der Progammierer' sind nicht nur exzellente Programmierfähigkeiten gefragt, sondern auch starke Nerven und Kreativität. Gilt es doch, in Teamwork und unter extremem Zeitdruck mit begrenzten Ressourcen insgesamt acht bis neun unterschiedlich schwere Programmieraufgaben zu lösen. Dem Siegerteam winken neben dem Weltpokal und 9.000 Dollar Preisgeld exzellente Karrierechancen in der Computerbranche. |
Rückblende
Am 23. November 1997 belegten wir, das Team der Universität Ulm, den zweiten Platz beim ACM Southwestern European Programming Contest 1997 (SWERC '97) und qualifizierten uns damit für die Weltmeisterschaft 1998. Nach drei weiteren Monaten harten Trainings und unzähligen Probewettkämpfen flogen wir dann im Februar 1998 zu den ACM World Finals nach Atlanta. Begleitet wurden wir von einem ganzen 'Fan Club' von Freunden, die begeistert von unserer WM-Qualifikation waren.
Dienstag, 24. 2. , Flug und Ankunft in Atlanta
Flughafen Stuttgart,14:00 Uhr. Unser Flugzeug rollt an. In acht Stunden werden wir in Atlanta ankommen. Wir, das sind das eigentliche Team (Ralf Gandy, Thorsten Quell, Christian Ehrhardt, Ralf Engels und Stefan Schonger) sowie Marc Meister, Martin Gaus, Walter Guttmann, Martin van Rijswick und die beiden Vorjahressieger Gerhard Lutz und Falk Bartels. Mark Dettinger, ebenfalls Vorjahressieger und Organisator des SWERC '97, Sandra Siehler und Berno Kneer befinden sich bereits seit zwei Wochen in den USA. Melanie Much wird am Freitag nachkommen. Für einige von uns ist es (nach Philadelphia '96 und San José '97) bereits die dritte Amerikareise, die wir der Association for Computing Machinery (ACM) zu verdanken haben.
Atlanta, 17:00 Uhr. Für die
nächsten Tage wird das Marriott Marquis Hotel, das von der ACM als offizielles
Contest Hotel auserkoren wurde, unser Zuhause sein.
Kein schlechtes Hotel, wie wir schnell feststellen. Wir haben ein Zimmer im
25. Stock mit Blick über Atlanta, dazu Whirl-Pool und Fitness-Studio.
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Die Ulmer Delegation im Marriott Marquis Hotel in Atlanta Von links nach rechts: Hinten: Martin Gaus, Walter Guttmann, Ralf Engels, Marc Meister, Mark Dettinger, Stefan Schonger, Berno Kneer, Martin van Rijswick, Falk Bartels. Vorne: Thorsten Quell, Melanie Much, Sandra Siehler, Christian Ehrhardt, Ralf Gandy, Gerhard Lutz |
Mittwoch, 25.2., Regional Contest Directors' Meeting
Für Mark steht heute das Regional
Contest Directors' Meeting auf dem Programm, wo über die Zukunft des
ACM Contests diskutiert wird. Die gestellten Aufgaben müssen zum Beispiel
im Laufe der Jahre an die Erfordernisse der Software-Industrie angepasst werden,
so dass im ACM Contest auch diejenigen Fähigkeiten geprüft werden,
die in der Praxis
relevant sind. So erforderten die Programmieraufgaben der 80er Jahre vor allem
Kenntnisse in Mathematik und Physik. In den 90ern ging der Trend dann zu logischen,
graphentheoretischen und algorithmischen Problemen. Für das nächste Jahrzehnt
ist ein langsamer Übergang zu graphischen und interaktiven Programmen
geplant. Dies erfordert jedoch entsprechende Anpassungen der Regeln. Sollen
z.B. Bonuspunkte für ansprechende graphische Gestaltung vergeben werden?
Ein weiterer zentraler Punkt der Diskussion sind Überlegungen, wie der Wettbewerb
auf weitere Länder ausgedehnt werden kann.
So gab es 1997 z.B. das erste Mal einen Regional Contest in Indien. Und im November 1998
wird nun auch Afrika seinen Champion im Programmieren ermitteln. Ausrichter wird die
Al Akhawyn University in Marokko sein.
Für unser restliches Team gibt es heute noch nicht viel
zu tun, also nutzen wir die Zeit für eine Stadtbesichtigung. Sehenswert
sind z.B. das World of Coca Cola Museum, Underground Atlanta (eine gigantische
Shopping Mall), CNN und der Centennial Park.
Donnerstag, 26. 2. , IBM Tech Trek
Heute steht der "IBM Tech Trek" auf dem
Programm. Im nicht weit entfernten Westin Plaza Hotel laufen - nachdem
ein Mittagessen für uns organisiert wurde - verschiedene Programme
parallel: e-Business, Deep Blue, C++, Java.
Freitag, 27. 2. , Practice Session und
Visual Age Contest
Der letzte Tag vor den Finals. Nachmittags
um 3:00 Uhr ist die Practice Session im "Marquis Ballroom" angesetzt,
wo man sich unter Contest-Bedingungen, aber mit einfacheren Aufgaben, an
die Rechner, die Installation und das Judging-System gewöhnen kann.
Nachdem dort noch einige offene Fragen
geklärt wurden, bleiben wir gleich am Rechner für den "Visual
Age for Java Contest", der dort zum zweiten Mal in dieser Form abläuft.
Außer Konkurrenz zum eigentlichen Contest - aber mit netten Preisen
- liegt bei diesem Wettbewerb mehr Gewicht auf der Oberflächenprogrammierung.
Auch bei der Bewertung zählen eher subjektive Dinge wie Aussehen,
Funktionalität und sinnvolle Erweiterungen. Wie oben gesagt, es ist bereits in der
Diskussion, solche Elemente in Zukunft in den Hauptwettbewerb aufzunehmen.
Samstag, 28. 2. , Der große Tag
Marriott Marquis, Imperial Ballroom,
10:00 Uhr: Der Contest.
In unzähligen lokalen, nationalen und subregionalen Vorausscheidungen haben Zigtausende von Teams aus allen Teilen der Welt bereits ihr Können unter Beweis
gestellt. Auf der vorletzten Ebene (den Regional Contests) waren es immerhin noch 1250
Teams. Die 54 besten treten nun zum Showdown an. Gespannt sitzen die 162 Teilnehmer
vor den verschlossenen Umschlägen mit den Aufgaben. In großen
Mengen wurden zuvor schon Bücher und Ordner mit Algorithmen, mathematischen
Formeln und Beschreibungen der C-Standardbibliotheken in den Ballsaal des
Marriott Hotels gebracht. Pünktlich der Start, 54 mal das gleiche
Geräusch, als die Umschläge aufgerissen werden. Acht Probleme
sind zu bearbeiten.
Nach ca. 45 Minuten liefert das erste Team
eine Lösung ab. Wir selbst bekommen nach 69 Minuten unser erstes "Accepted"
für das Problem "Page Selection by Keyword Matching", einer kleinen
Suchmaschine fürs WWW. Wir liegen auf Platz 8, bisher scheint es gut
zu gehen.
Wir bearbeiten drei Probleme parallel.
Bei einem ("Flight Planning") ist der Treibstoffverbrauch eines Passagierflugzeuges
zu minimieren. Abhängig von den Windverhältnissen und dem zusätzlichen
Verbrauch beim Steigflug und beim Flug in einer für die Triebwerke
ungünstigen Höhe, muß die zu fliegende Höhe geschickt
berechnet werden. Beim zweiten ("Towers of Powers"), einer mathematisch
an sich einfachen Aufgabe, liegt die Schwierigkeit vor allem in der komplizierten
Formatierung der Ausgabedaten. Im dritten ("Spatial Structures") geht es
um Datenkompression.
Immer wieder drucken wir unsere Lösungen
aus und verbessern sie. Die Zeit läuft davon. Fünf Stunden können
verdammt kurz sein. Gegen Ende versuchen wir uns noch an "Crystal Clear",
einer geometrischen Aufgabe, in der die Isolationskapazität von Kristallen
berechnet werden muß. Doch die Zeit reicht nicht mehr, um die Aufgabe
zu beenden.
Nach 4 Stunden wird die Rangliste eingefroren,
in der letzten halben Stunde werden auch keine Luftballons mehr für
gelöste Aufgaben ausgeteilt. Dadurch ist am Ende nicht klar, welches
Team nun gewonnen hat, und die Spannung zieht sich hin bis zur Siegerehrung
am Abend.
Marriott Marquis, 18:00 Uhr: Siegerehrung
Bei der Siegerehrung am Abend ruft Bill
Poucher, International Contest Director und
Professor für Informatik an der Baylor
University in Texas, die Teams der Top 10 von
hinten nach vorne auf die Bühne.
Die Top Ten 1998 lautet:
Unsere zwei Lösungen in 292 Minuten
reichen immerhin
noch für einen Platz im Mittelfeld: Platz 29. Das zweite deutsche
Team bei der WM, die TU Darmstadt, landet mit zwei Lösungen in 487 Minuten auf Platz 37.
Auffällig ist, daß die US-Universitäten
dieses Jahr nur noch einmal in der Top 10 vertreten
sind, die Osteuropäer dagegen viermal. Dieser Trend scheint sich von
Jahr zu Jahr zu verstärken.
Unter der akkumulierten Zeit versteht man die Summe der Abgabezeiten.
Wir lösten die erste Aufgabe nach 69 Minuten, die zweite nach 223 Minuten.
69 + 223 = 292.
Die Speedzone
Vor dem Marriott Marquis Hotel, 19:00 Uhr.
Wir besteigen die Busse, die uns zur "Malibu Speedzone" bringen sollen,
wo die Abschlußfeier stattfinden
wird. Was uns dort genau erwartet,
wissen wir nicht genau. Go-Kart-Rennen und Spielautomaten, so kursieren die
Gerüchte. Komisch ist allerdings,
daß kontrolliert wird, wer einen Führerschein besitzt. Für
ein paar mickrige Go-Karts? Außerdem
erhalten wir einen kleinen Umschlag mit Informationen zu den Gefahren von
Autorennen und einer Erklärung, daß
der Veranstalter für keine Verletzungen haftbar ist, die wir uns durch
selbstverschuldete Unfälle zuziehen.
Am Eingang der Speedzone geht es dann los.
Jeder bekommt eine Magnetkarte mit einem Guthaben von 80 Dollar ausgehändigt.
Da die Rückkehr schon für ein Uhr
geplant ist, haben wir nicht sehr viel Zeit. Deshalb stürmen wir schnell
herein.
Das Hauptgebäude hat einen Bereich
mit Spielautomaten, eine Bar und ein paar Stände für Souvenirs. IBM
hat den ganzen Komplex gemietet und
auch ein Buffet mit vielen leckeren Sachen aufgestellt. Die Spielautomaten,
wie auch die Souvenirs, können mit der Magnetkarte
bezahlt werden.
Draußen befinden sich die Rennbahnen.
Dort sind allerdings keine mickrigen Go-Karts, sondern eher kleine
Formel-1-Rennwagen. Mit einem Motor, der die
Räder durchdrehen läßt, und Bremsen, die wie Beißzangen
zugreifen. Auf manchen Strecken kann
man allein gegen die Zeit fahren, auf anderen richtige Rennen gegeneinander.
Insgesamt geht alles glimpflich ab. Nur selten
muß das Personal eingreifen, beispielsweise, als Stefans Wagen nach
einer kleinen Kollision Feuer fängt.
Doch schon in wenigen Minuten ist der Wagen ausgewechselt und es kann weitergehen.
In einem Nebenraum hat IBM den Supercomputer
Deep Blue für seinen letzten Auftritt in der Öffentlichkeit aufgestellt,
bevor er - wie oben schon gesagt - zum Wetterbericht-Ersteller degradiert wurde.
Hier konnte man an mehreren Terminals simultan
gegen ihn spielen, auf jedem Terminal gegen einen seiner Prozessoren.
(Gegen Kasparov wurden damals alle 1000 Prozessoren gleichzeitig eingesetzt.)
Soweit wir mitbekommen haben, blieb Deep Blue aber an diesem Abend trotzdem
ungeschlagen. Ein Prozessor reicht eben für den Normalspieler schon mehr als aus.
Insgesamt wird der Abend zum krönenden Abschluss der WM,
der uns die Anspannung des Wettkampfs (und ein bisschen die
Enttäuschung ueber unser Ergebnis) fuer ein paar Stunden
vergessen lässt. Mit vielen Teams tauschen wir E-Mail-Adressen
aus, um in Kontakt bleiben zu können.
Sonntag, 1. 3. , Abreise von Atlanta
Bei der Abreise aus Atlanta sind wir immer noch in Gedanken
mit den Aufgaben von gestern beschäftigt. Wenn wir doch dies
anders gemacht hätten oder das...vielleicht wäre ja alles
ganz anders gelaufen. Andererseits: Platz 29 von allen Studenten
weltweit ist ja nicht ganz schlecht. Und nächstes Jahr haben
wir ja wieder eine Chance.
Die WM 1999 wird in Eindhoven, Holland, ausgetragen werden,
zum ersten Mal in Europa. Und selbstverständlich wollen wir
da wieder dabei sein.
Autoren: Mark Dettinger (dettinger@acm.org)
und
Stefan Schonger (Stefan.Schonger@student.uni-ulm.de)
Im Vorfeld darf man sich für zwei
davon entscheiden.
Deep Blue
Deep Blue ist ein massiv-paralleler Rechner,
der Schach auf Großmeisterniveau spielen kann. Berühmt wurde
er 1997, als er ein Match über sechs Partien gegen Garri Kasparov gewann.
Leider war aber weder der Vortrag tief noch der Vortragende (einer der Entwickler) blau.
So blieb es bei einem unterdurchschnittlichen, sehr allgemein gehaltenen Vortrag
über Computerschach, der uns nicht den erhofften tieferen Einblick in die
Soft- und Hardware von Deep Blue bescherte.
Mittlerweile hat Deep Blue übrigens schwer nachgelassen: er berechnet nur noch
Wettervorhersagen.
Java
Im Java-Teil sollte vornehmlich IBM's hauseigenes
Produkt Visual Age for Java vorgestellt werden. Nachdem aber die Vortragende
die Programmierumgebung samt dem Betriebs(störungs)system (Windows)
ins Nirwana schickte, verließen einige den Tatort.
e-Business
Tja, dieser Vortrag war anscheinend der beste.
(Und wir hatten uns natürlich für die zwei falschen entschieden.) Mit dem
Stichwort e-business bezeichnet man die zukünftige Verwendung des Internets
als virtuelles Kaufhaus. Da Geld dann nur noch ein Stück elektronische Information
sein wird, müssen Mechanismen entwickelt werden, um elektronisches Geld (e-money) sicher übertragen zu
können und außerdem vor Fälschung und Kopieren zu schützen.
Das Westin Plaza Hotel
Mit seinen 72 Stockwerken ist das zigarettenförmige
Hotel an sich sehenswert. Interessant ist auch das Schild im Treppenhaus
im 70. Stock: Emergency exit 4th floor.
Konkret sollte nun ein Taschenrechner
(ähnlich dem Windows calc) entwickelt werden. Dabei waren schon einige
Komponenten vorgegeben, die man sich erst einmal anschauen und dann erweitern
mußte. Obwohl wir einige kleine Probleme hatten (die Vorbereitung
war schwierig, weil es noch keine Aufgaben aus vergangenen Contests gab),
schlagen wir uns gar nicht schlecht (manche Teams schicken hier gar nichts
ab). Unter die ersten drei kommen wir dann aber doch nicht...
Im Wechsel arbeiten immer zwei auf Papier
und einer am Rechner. "Flight Planning" können wir letztendlich lösen,
die anderen beiden werden aus uns (zur Contest-Zeit) unerklärlichen
Gründen von der Jury mit "Time-Limit exceeded" und "Wrong Answer" bewertet.
Universität Land
Gelöste Probleme
Akkumulierte Zeit
1
Charles University Prague
Tschechien
2
St. Petersburg University
Russland
3
University of Waterloo
Kanada
4
University of Umeå
Schweden
5
MIT
USA
6
Melbourne University
Australien
7
Tsing Hua University - Peking
China
8
University of Alberta
Kanada
9
Warsaw University
Polen
10
Politehnica University Bucharest
Rumänien
Problem Set der Finals '98: http://acm.baylor.edu/Past/icpc98/Finals/Report/Problems/Problems98.pdf
Co-Autoren: Thorsten Quell, Ralf Engels und Walter Guttmann