Im Anschluß an die Practice Session gab es dieses Jahr die Microsoft Visual Challenge, einen Java Programmierwettbewerb, der zwar nichts mit dem eigentlichen Wettbewerb zu tun hatte, bei dem es aber auch schon kleinere Preise zu gewinnen gab (Bücher, Computerspiele, etc.).
Ich blicke zum Ende der Halle, wo auf einem Podest der Weltpokal ausgestellt ist, um den es heute geht. In den Pokal sind die Namen der 20 Universitäten eingraviert, die ihn seit 1977 gewonnen haben. Welche Uni wird wohl die nächste sein?
Auf dem Tisch neben uns sind die 30 kg Material aufgebaut, die wir zum Contest mitgebracht haben: Ordner, Bücher, Listings, Schreibzeug, sogar ein Kartenspiel und ein Reiseschach. Letzteres nicht etwa für den Fall, daß wir mit allen Problemen vorzeitig fertig werden, sondern um bei entsprechenden Problemen den Algorithmus simulieren zu können.
"10 seconds to start..."
Ich greife mir das Couvert mit dem Problem Set, Gerhard legt schon die Finger auf die Tastatur, Falk greift sich Kugelschreiber und Papier.
5...4...3...2...1...ACTION!
Ritsch ratsch, Couvert auf, Problem Set raus - 50 mal synchron.
Die nächsten zehn Minuten herrscht Stille in der Halle. Kein Laut ist zu
hören, während die Teams mit dem Durchlesen der Aufgaben beschäftigt
sind. "The most deafening silence I ever experienced.", wie einer der Zuschauer
später meinte.
Dann setzt langsam das Rascheln von Papier und Klicken der Tasten ein. Bei den meisten
Teams setzt sich eine(r) an den Rechner und fängt schon mal mit der leichtesten
Aufgabe an, während die anderen zwei noch eine kurze Strategiebesprechung abhalten.
Wer übernimmt welche Aufgabe? Welche Aufgaben läßt man von vornherein
weg? (Alle acht in fünf Stunden zu schaffen, ist praktisch unmöglich.)
Und für welche Aufgaben ist Teamwork notwendig, welche schafft einer allein?
Immer wenn ein Team ein Problem löst, wird am Rechner des Teams ein Luftballon
befestigt. So kann man mit einem Blick über die Halle schnell sehen, wie man im
Vergleich zu den anderen gerade dasteht.
In einer Ecke ist ein Buffet aufgebaut, nur scheint niemand Zeit zu haben, dort
hinzugehen. Nur ab und zu sieht man, wie jemand aufspringt, zum Buffet sprintet,
drei Getränkedosen und ein paar Schokoriegel schnappt und zu seinem Platz
zurückrennt.
Denn als Teilnehmer verrinnt die Zeit schnell. Es gibt keine Sekunde zu verlieren -
am Ende könnte sie den Sieg kosten.
Unser Start war ziemlich schlecht. Wir hatten immer noch kein Problem gelöst, als manche andere Teams schon drei Lösungen hatten. Die zweite Hälfte des Wettbewerbs lief jedoch gut, so daß wir den Contest mit fünf gelösten Aufgaben beendeten. Das sechste Programm hatten wir zwar auch schon fertig, nur steckte leider noch ein Bug drin, den wir in den letzten Minuten nicht mehr finden konnten.
Sechs Teams hatten sechs Aufgaben gelöst, acht weitere hatten fünf wie wir. Zwölf Teams hatten vier Lösungen (darunter unter anderem Harvard, Stanford und Caltech), 23 Teams hatten drei oder weniger.
Wir liegen zwischen Platz 7 und 15, soviel wußten wir sofort nach Ende des Wettbewerbs.
Zum Teil zufrieden (viele Eliteuniversitäten waren schlechter als wir) und zum Teil enttäuscht (es wäre noch mehr drin gewesen) verbrachten wir den restlichen Abend mit den anderen Teams auf der Microsoft Brain Meltdown Party. Mit vielen Teams tauschten wir E-Mail-Adressen aus, um weiterhin in Kontakt bleiben zu können.
Nächstes Jahr ist die WM übrigens in Atlanta, vier Stunden von Florida
entfernt. Wer seine Spring Break lieber dort als in Ulm verbringen möchte,
muss sich beim universitätsinternen Programmierwettbewerb am 4. Juli unter
den ersten acht plazieren.
Diese acht werden nämlich die Uni Ulm dann am 23. November beim nächsten
Southwestern European Programming Contest vertreten. Und da es die anderen
Unis hier in der Gegend nicht mit uns aufnehmen können, werden wir so wie
letztes Jahr und vorletztes Jahr auch dieses Jahr wieder beim Finale dabei
sein. Oder?
Weitere allgemeine Informationen zum Contest sind auf dem Internet erhältlich
unter http://www.acm.org/contest/.